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Krakow 2001 by Beat Schneider (English/Deutsch)

 

41st Film festival Krakow (2001): Dragon for the bridge, Don Quijote for the priest

The trailer of the 41 Krakowski Festiwal Filmowy shows small film stripes creeping over the white screen, in the background the noise of a film projector. However, the majority of this year’s films were video documentaries produced for the television. Ironically, the Polish television, which had been main sponsor during many years, cancelled its engagement three months before the 41. festival took place.

Video must not be a less suitable format for short films. Grzegorz Pacek proved this in his film I’am bad, with which he won the main prize in the national competition (Golden Hobby Horse of Cracow). Pacek realized the film together with some teenagers through portraiting their life in a Warsaw street. The camera is passed on from one person to another, the pictures often shot out of hand, the cut is fast. Their dreams and hopes for the future are confronted with every day life in a poor area of the city. Unfortunately, many of the other video documentaries in the competition simply stated a social problem without any reflection.

Krakow is still an important festival for documentaries. This is proved by the main price winners: The Golden Dragon went to the film El Puente by Jorge Carmona del Solar, the Don Qujote to El Misonero by Wojcech Staron. In El Puente, inhabitants living in two villages on opposite sides of a canyon construct a new bridge together. The film is structured by the exact represantation of the construction. It can be understood as tale or as symbol for solidarity and tradition, why the certain pathos of the commentary in the off is understandable. The wonderful colors and the music justify the decision of the main jury. El Misonero von Wojciech Staron, which was given the Don Qujote by the FICC Jury, is richer on details and more controvers. It is the portrait of Kazimierz, a priest who visits isolated villages in the bolivian mountains. The film does not show a holylike missonar. Instead it shows the cultural problems of western missonary work in an indian culture and the hardtums of life at the end of the world. The priest appears in this road movie as a complex human being with fears, doubts and feelings of loneliness. The spectator several times has to ask, why he continues this hard work. But with the last picture of the film, we know that he has to do it. Every frame in the film has a certain narrative function. Staron was traveling with the priest during one year and therefore had enough time to find the perfect pictures.

The Krakow Festival is also known for the animations. At this year’s festival, some of them were above average, but unfortunately there was no one really outstanding. The Silver Dragon for the best Animation went to The Boy Who Saw the Iceberg by Paul Driessen, which works with a splitscreen. One half represents the inner life, the other half the outer life of a small boy. The film won a Dragon for its "genial realisation of the relationship between reality and the world of dreams." Not everyone was satisfied with the verdict of the International Jury. The dramaturgy does not work very well and the relationship between the inside and outside world could benefit from more reflection. The FICC Jury especially recognized the two following films: Father and Daughter by Michael Dudok de Wit and Ung, vakker og begavet by Anne Kjersti Bjorn. In Father and Daughter De Wit brings complex figures and landscapes in simple drawings to life. The film illustrates the loss of a human being and the hope to find him again.. Unfortunately De Wit combines his fine animation with a music, which is too heavy. Ung, vakker og begavet is not only a documentary but as well an animation and experimental film. It is the homage of seven female surrealists, among them Frida Kalo and Meret Oppenheim, who were lovers to the more known male surrealists.

The film festival in Krakow took place for the 41st time, the International Competition since 1964. Krakow is an old and important festival for eastern films and it is to hope that it will exist for many years in future - also without Polish television.

Beat Schneider, member of the FICC Jury 2001

URL of the festival: www.shortfilm.apollo.pl

41 Krakauer Filmfestival:.
Drachen für Brücke, Don Quijote für Priester

Im Trailer für das 41. Krakovski Festival Filmowy kriechen unter dem Rattern eines alten Projektors Filmstreifchen über die weisse Leinwand. Im Internationalen Wettbewerb liefen 53 Filme - die Schweiz war übrigens mit Credo von Jonas Raeber und La Jeune Fille et les Nuages von George Schwizgebel vertreten. Mit 24 Dokumentar-, 17 Animations-, 11 Kurzspiel- und einem Experimentalfilm wurde Krakau seinem Ruf als Dokumentar- und Animationsfilmfestival gerecht. Die Kurzspielfilme sind nicht der langen Rede wert, Afta (Ungarn, 2000) von Kornel Mundruczo sowie Do Wostriewodania (Russland, 2000) von Natalia Swirdowa vielleicht ausgenommen. Während Afta sich am Neorealismus orientiert und vom Gelangweilt- und Frustriertsein von ein paar Jugendlichen in einem Aussenbezirk Budapests berichtet, scheint Do Wostriewodania von der Nouvelle Vague beeinflusst und erzählt die Geschichte von ein paar jungen Frauen in einer russischen Provinzstadt. Und was sind die Inhalte der dokumentarischen und animierten Filme?

Videoreportagen statt Dokumentarfilme

Der diesjährige Trailer ist eigentlich Schummelei; denn ein Grossteil der gezeigten Filme sind fürs Fernsehen produzierte Videoreportagen. Natürlich können auch im neueren Videoformat kleine Meisterwerke entstehen. Dies beweist beispielsweise I am bad (Polen, 2001) von Grzegorz Pacek, der Gewinner eines "Golden Hobby Horse of Cracow" im nationalen Wettbewerb. Pacek hat den Film zusammen mit ein paar Teenagern realisiert. Sie portraitieren das Leben in ihrer Warschauer Strasse. Die Kamera wird herumgereicht, die Bilder sind oft wacklig, aber direkt und wohl ausgesucht, es wird schnell geschnitten. Ihre Träume und Zukunftsvorstellungen werden mit ihrem Alltag in einem ärmlichen Quartier kontrastiert.Im internationalen Wettbewerb überwog leider eine Art von Videoreportagen, die zwar auf Probleme hinweisen, sie aber in formaler Hinsicht nicht auszuloten vermögen. Die Kamera wird auf ein Objekt hingehalten, es wird gezoomt, und die Kamera läuft und läuft, obwohl die Information längst beim Zuschauer angekommen ist. Man spürt zwar immer wieder ein soziales Engagement. So schneiden die Filme dringende Probleme wie Prostitution in Bombay, Emanzipation der Frau in Iran oder Sklavenhandel in Bangladesh an. Es bleibt jedoch beim nackten Feststellen von Missständen, die dem Zuschauer meist schon aus Fernsehberichten oder Zeitungsartikeln bekannt sind. Tiefere Einsichten lassen diese Art von Filmen nicht zu.

Ausgezeichnete Dokumentarfilme

Glücklicherweise gab es auch im Internationalen Wettbewerb Ausnahmen, die dann auch mit den Hauptpreisen ausgezeichnet wurden. Den Goldenen Drachen erhält El Puente Dorado (Peru, 2000) von Jorge Carmona del Solar. Die Einwohner, die in zwei Dörfern diesseits und jenseits einer Schlucht wohnen, bauen zusammen eine verbindende Brücke. Der Film ist durch die genaue Dokumentation des Brückenbaus strukturiert. Versteht man den Film als Märchen oder als Symbol für Solidarität und Tradition, nimmt man auch den Pathos des Off-Kommentars in Kauf. In wunderbaren Farben gefilmt und mit einer Musik, die man in den Ohren behält, ist das Urteil der Hauptjury sicher gerechtfertigt. El Misonero (Polen, 2000) von Wojciech Staron, den die FICC Jury mit dem Don Quijote würdigt, ist facettenreicher und widerspenstiger. Es ist das Portrait von Kazimierz, einem Priester, der in den bolivischen Bergen die abgelegensten Dörfer besucht. Die Bilder zeigen ihn nicht als Heilbringer. Seine Missionstätigkeit wird in der Kluft zwischen westlicher und indianischer Kultur sowie in der Kargheit des Lebens am scheinbaren Ende der Welt differenziert dargestellt. Kazimierz erscheint in diesem Roadmovie als Mensch, der zweifelt, sich einsam fühlt. Immer wieder fragt man sich als Zuschauer, warum er all die Mühsal, die das Reisen unter Extrembedingungen verursacht, auf sich nimmt. Und mit dem letzten Bild ist einem klar, er muss es tun. Der Film funktioniert über die bewusst gewählten Einstellungen, die der Regisseur während eines Jahres gemeinsamer Reise mit dem Priester finden konnte.

Gutes Handwerk im Animationsfilm

Einige Animationsfilme waren überdurchschnittlich (Crime and Punishment, Credo, Neulich 2 u.a.), doch keiner kann als die Perle bezeichnet werden, auf die der Kritiker wartet. Der silberne Drachen für die beste Animation ging an The Boy Who Saw the Iceberg (Kanada, 2000) von Paul Driessen. Während des ganzen Filmes bleibt die Leinwand in zwei Hälften geteilt. Die eine repräsentiert die äussere die andere die innere Welt eines kleinen Jungen. Prämiert wurde die Idee des Zusammenspiels von Realität und Fantasie. Nicht alle waren mit dem Entscheid für den besten Animationsfilm einverstanden; denn die Dramaturgie des Films überzeugt nicht wirklich. Auch hätte man sich noch mehr Reflektion über die Beziehung zwischen Aussen und Innen gewünscht. Die FICC Jury erwähnt speziell Father and Daughter (GB-Niederlande, 2000) von Michael Dudok de Wit. De Wit gelingt in einem einfachen Strich das Lebendigwerden komplexer Figuren und Landschaften. Der Film illustriert das Verlieren eines Menschen und die Hoffnung, ihn wiederzufinden. Leider stülpt De Wit zu Beginn seinen feinen Zeichnungen eine zu schwere Musik über. Mit Ung, vakker og begavet (Norwegen, 2000) von Anne Kjersti Bjorn lobt die FICC Jury zudem ein Werk, das Dokumentar-, Animations- und Experimentalfilm miteinander vereint. Er setzt sieben Surrealistinnen wie Frida Kalo oder Meret Oppenheim ein Denkmal, die Gemahlinnen und Geliebte der männlichen Vertreter dieser Kunstrichtung waren.

Man kann Krakau also als ehrwürdiges Festival bezeichnen: Das Filmfestival in Krakau fand zum 41. Mal statt, der Internationale Wettbewerb wird seit 1964 durchgeführt. Das Festival musste dieses Jahr auf fünf Tage verkürzt werden, da das Polnische Fernsehen als Hauptsponsor ausgestiegen war. Dies könnte man bei den vielen fürs Fernsehen produzierten Filmen fast schon als Ironie des Schicksals bezeichnen. Mit zwölf Titeln von 75 gesehenen Filmen, mit denen der Autor dieses Artikels und Mitglied der FICC Jury für die Visionierung in der Programmkommission der Kurzfilmtage Winterthur nach Hause fährt, war das Festival trotzdem durchaus erfolgreich.

Beat Schneider, Mitglied der FICC-Jury 2001

URL des Festivals: www.shortfilm.apollo.pl