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Kiev 2000 by Jörg Hüssy (Deutsch)

 

Provinzieller Charme in der ukrainischen Metropole
Molodist FilmFestival 2000 in Kiew

Ende Oktober fand in Kiew das internationale Filmfestival Molodist zum dreissigsten mal statt. Ein Festival, das in den Kategorien Studenten-, Animations-, Kurzspiel- und Langspielfilm Erstlingswerke präsentiert. All diese Wettbewerbsfilme wurden einmal im grossen Saal des Filmhauses gezeigt. Die beinahe als Staatsakt zelebrierte Eröffnungszeremonie stand in einem krassen Gegensatz zum weiteren Verlauf des Festivals. Trotz viel gutem Willen konnten aus diversen Gründen jeweils nur etwa zwei Drittel der
vorgesehenen Wettbewerbsfilme vorgeführt werden. Zudem waren die Auswahlkriterien undurchsichtig. Es ist zu vermuten, dass einige Debutfilme von hoher Qualität aus mangelndem Interesse der Produzenten nicht den Weg an den Dnjepr gefunden haben. Von den vierzehn angekündigten Langspielfilmen konnten nur acht gezeigt werden. So wurde z.B. der ukrainische Beitrag nicht termingerecht fertiggestellt.

Neben zwei im Westen bereits ausgewerteten Filmen (BOYS DONŒT CRY, BILLY ELLIOT) konnten nur zwei französische (LE SECRET, STAND-BY, der nachträglich in den Wettbewerb aufgenommen wurde), eine englische (MILK) und eine belgische (QUE FAISAIENT LES FEMMES PENDANT QUE LŒHOMME MARCHIT SUR LA LUNE?) Produktion einigermassen überzeugen. Die erhofften osteuropäischen Entdeckungen gab es nicht. Gleich wie der ukrainische Beitrag wurde auch der polnische nicht gezeigt. Aus Russland kam eine Fernsehproduktion auf Tatort-Niveau und der ungarische Film (BALRA A NAP NYUGSZIK) zeigte neben guten Ansätzen Anfängerprobleme. Es zeigte sich,
dass das Label Erstlingsfilm problematisch ist, da es sich nur auf den Regisseur bezieht. So ist die beachtliche technische Perfektion einiger Filme hauptsächlich auf die Erfahrung der Mitarbeiter zurückzuführen. Durch diese Professionalisierung geht den Debuts einiges an ihrer traditionellen Ungestümheit ab.

Neben den Wettbewerbsfilmen blieb mir nur wenig Zeit für das ukrainische Panorama, das Filme der letzten zwei Jahre vorstellte. Dagegen begünstigte die zentralisierte Vorführstätte und die Unterkunft auf einem Hotelschiff Kontakte zwischen den Festivalteilnehmern.
Eine Reise nach Kiew empfiehlt sich hauptsächlich, um in einer ungezwungenen Atmosphäre Jungregisseure und andere Filmleute kennenzulernen. Was Auswahl und Qualität der Filme betrifft ist man andernorts besser bedient. Für den jungen osteuropäischen Film ist Cottbus z.B. die bessere Adresse.

Das Festival stand aus meiner Sicht ganz im Zeichen von Stand-By. Mein Flugbillet nach Kiew war eine Art Stand-By-Ticket, es hatte keine Platzgarantie. Der Film STAND-BY fristete als official noncompetition film ein Stand-By-Dasein und rutschte nachträglich noch in den Wettbewerb und erhielt den Don-Quijote-Award von unserer Jury. Der Debutfilm des Franzosen mit ukrainischen Wurzeln Roch Stefanik überzeugte durch die Beschränkung auf einen Handlungsort, den Flughafen, und seine formale Konsequenz. In einer Nebenrolle konnte Jean-Luc Bideau seinen Charme spielen lassen.

Jörg Hüssy, Mitglied der FICC-Jury