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Fribourg international film festival No 21 by Simon Baumgartner (Switzerland, in German/Deutsch)

“Das FIFF nimmt sich Zeit für die Nuancen” (Martial Knaebel)

Da meine Jury-Kollegen des FICC auf die diesjährigen Retrospektiven des Festivals und auf die Filme des Wettbewerbs eingehen, beschränke ich mich in meinem Bericht auf allgemeine Aspekte des Filmfestivals Fribourg.


Dieses Jahr waren im Wettbewerb erstmals nicht nur Spielfilme vertreten, sondern auch Dokumentarfilme. Martial Knaebel begründete diese Auswahl damit, dass in den letzten Jahren immer mehr Dokumentarfilme in die Kinos gelangten und ausserdem die Grenzen der Genres Spiel/Dokumentarfilme zunehmend aufgeweicht würden und eine eindeutige Zuordnung der Filme nicht immer vorgenommen werden könne. Diese Mischung der Genres im Wettbewerb macht die Arbeit der Jurys nicht leichter, da Dokumentarfilme und Spielfilme manchmal nur bedingt verglichen werden können und nicht immer den selben filmischen Regeln folgen.

Zur Geschichte
Das Filmfestival Fribourg wurde 1986 gegründet.
In den Jahren zuvor – ab 1980 – wurden in einigen Westschweizer Städten eine Wandervorführung von sieben Filmen aus den Kontinenten Asien, Afrika und Lateinamerika gezeigt. Grundidee war, einem breiteren Publikum Filme aus dem Süden, damals häufig noch „Dritte Welt“ genannt, zugänglich zu machen. Denn Filme aus diesen Ländern waren im Kinoprogramm der Schweiz praktisch inexistent.
1986 liess sich das Festival in Friibourg nieder, wo die Vorführungen das grösste Echo gefunden hatten, und wechselte von den Pfarrei- in die Kinosäle. Zugleich fand der erste offizielle Wettbewerb um den Verleihförderpreis statt. Ab 1992 wurde das Festival jährlich durchgeführt.
Bis 1997 trug das Festival den Namen Dritt-Welt-Filmfestival. 1998 wurde die bis dahin gängige, aber auch umstrittene Bezeichnung „Dritte Welt“ gestrichen und das Festival wurde in Festival International de Films de Fribourg umbenannt.
Das Filmfestival von Fribourg ist eines der wenigen Festivals in Europa, das konsequent nur Filme aus Afrika, Asien und Lateinamerika zeigt und damit dazu beiträgt, dass die Werke der FilmemacherInnen aus diesen Ländern eine Chance erhalten, vom hiesigen Publikum wahrgenommen zu werden. Zugleich stellen diese Filme auch eine Möglichkeit dar, die europäische Sichtweise dieser Länder zu hinterfragen und das Publikum für Themen- und Problemkreise bezüglich dieser Länder zu sensibilisieren.
Eine Stärke des Festivals sind die ausgezeichneten Retrospektiven, wo es immer wieder Filmperlen zu entdecken gibt. In früheren Jahren z.B. mit Filmen aus dem arabischen Raum und 2006 „Die Frau des Banditen - Hommage an Helena Ignez“, mit Filmen dieser brasilianischen Schauspielerin.

Perspektiven
Beim Publikum ist das Festival beliebt, v.a. beim Publikum in der französischen Schweiz. Die Kinosääle platzten teilweise aus den Nähten, vor allem am Wochenende. Deshalb wäre es zu begrüssen, wenn nächstes Jahr auch Vorstellungen im Multiplex-Kino, das sich im Zentrum der Stadt in Bau befindet, stattfinden könnten. In der Deutschschweiz ist das Festival noch zu wenig bekannt, es werden aber Anstrengungen unternommen, dies zu ändern. So wurden dieses Jahr – im Gegensatz zu früheren Jahren- alle Wettbewerbsfilme deutsch und französisch untertitelt. Zudem ist die neue administrative Direktorin eine zweisprachige (Deutsch/Französisch) Deutschschweizerin, was die Vernetzung in der Deutschschweiz bestimmt erleichtert.
Dieses Jahr ging am Filmfestival Fribourg einerseits eine Ära zu Ende: Der künstlerische Leiter Martial Knaebel hat sein letztes Festival bestritten. Er hat das Festival in den letzten 15 Jahren geprägt. Andererseits begann dieses Jahr aber auch eine neue Phase mit dem „Ancienne Gare“ – dem Alten Bahnhof (vgl. http://www.anciennegare.ch/ ). Dieses Gebäude, das von drei kulturellen Organisationen – unter ihnen das Filmfestival – erworben wurde, wird ab Sommer 2007 Sitz dieser 3 Organisationen.
Der Ancienne Gare – 2-3 Minuten zu Fuss vom Kino Rex entfernt – beherbergte dieses Jahr bereits das Restaurant des Festivals, das in früheren Jahren in einem Zelt neben dem Kino Rex untergebracht war, einer der Spielstätten des FIFF.

Simon Baumgartner, Filmclub Kino Reithalle Bern, Schweiz